Symposium 2026

Tribologie in Industrie und Forschung

50 Jahre Österreichische Tribologische Gesellschaft

17.-19. November 2026

Motivation und Themenschwerpunkte

Die Österreichische Tribologische Gesellschaft feiert 2026 ihr 50-jähriges Bestehen – ein idealer Anlass, nicht nur zurückzublicken, sondern auch den Blick in die Zukunft der Tribologie zu richten.
 
Als Teil Europas stehen wir vor großen Herausforderungen, die gemeinsames Handeln erfordern. Das globale „Geschiebe“, begrenzte Ressourcen und die Energiewende zwingen uns, Alternativen zu bewährten Lösungen zu finden. Viele für die Tribologie zentrale chemischen Elemente – darunter Aluminium, Bor, Fluor, Kobalt, Kupfer, Lithium, Nickel und Phosphor – werden von der EU mittlerweile als kritische und/oder strategische Rohstoffe eingestuft.
 
Und machen Europa zur Impulsgeberin nachhaltiger Lösungen: Im Fokus stehen verstärkt kohlenstoff-basierte Werkstoffe, wie Graphen und MXene als 2D-Werkstoffe. Wasserstoff und Ammoniak als kohlenstofffreie Energieträger erfordern neue Designansätze von Werkstoffen, Schmierstoffen und Aggregaten. Die Elektromobilität stellt hohe tribologische Anforderungen an Lager, Getriebe und Dichtungen – etwa durch hohe Drehzahlen, Stromdurchgang und Wärmeabfuhr.
 
Fortschritte in Reibungskontrolle, Verschließschutz und Schmierung sind wichtig für zukünftige Technologien. Im Gegensatz zu den Anfängen der Tribologie – die 2026 ihren 60. Geburtstag feiert – stehen Tribologinnen und Tribologen heute modernste Werkzeuge zur Verfügung: Methoden der künstlichen Intelligenz ermöglichen u.a. Self-Driving Laboratories, Material Acceleration Platforms und umfassende Simulationen, etwa in der Moleküldynamik.
 
Anlässlich des ÖTG-Symposiums laden wir Sie herzlich ein, in einem intensiven Dialog zwischen Industrie und Forschung diesen Wandel zu diskutieren. Freuen Sie sich auf richtungsweisende Fachvorträge und viele Gelegenheiten zum direkten Austausch und zur Vernetzung.

Programmübersicht

Interviews

Die Tribologie – Ein Auslaufmodell oder ein Zukunftstreiber?

Patrick Beau, Optimol Instruments Prüftechnik GmbH

Hier klicken, um den Inhalt von VideoPress anzuzeigen.
Learn more in VideoPress’s privacy policy (opens in a new tab).

Forschungsfragen in der e-Mobilität

Katharina VÖLKEL, Lehrstuhl für Maschinenelemente (Prof. Stahl), TU München

Hier klicken, um den Inhalt von VideoPress anzuzeigen.
Learn more in VideoPress’s privacy policy (opens in a new tab).

New measurement equipment at AC²T

Rainer Franz, AC2T research GmbH

Hier klicken, um den Inhalt von VideoPress anzuzeigen.
Learn more in VideoPress’s privacy policy (opens in a new tab).

Inspired by grease lubrication

Piet Lugt, SKF Research & Technology Development

Hier klicken, um den Inhalt von VideoPress anzuzeigen.
Learn more in VideoPress’s privacy policy (opens in a new tab).

Research in alternative fuels

Marcella Frauscher, AC2T research GmbH

Hier klicken, um den Inhalt von VideoPress anzuzeigen.
Learn more in VideoPress’s privacy policy (opens in a new tab).

Interesting innovations in tribology

Kartik Pondicherry, Anton Paar GmbH

Hier klicken, um den Inhalt von VideoPress anzuzeigen.
Learn more in VideoPress’s privacy policy (opens in a new tab).

Der Einstieg in die Tribologie

Mirjam Bäse, Magna Powertrain GmbH & Co KG & Gesellschaft für Tribologie e.V.

Hier klicken, um den Inhalt von VideoPress anzuzeigen.
Learn more in VideoPress’s privacy policy (opens in a new tab).

Highlights des ÖTG-Symposiums 2024

Andras Vernes, AC2T research GmbH

Hier klicken, um den Inhalt von VideoPress anzuzeigen.
Learn more in VideoPress’s privacy policy (opens in a new tab).

Fotos

Seminar | Weintribologie

17. November 2026 | 13:00-18:00 | ARCOTEL Kaiserwasser Wien

Vortragender

Wir freuen uns, Ihnen das Weintribologie-Seminar ankündigen zu dürfen!
 

Im Rahmen des Seminars wird Ihnen Prof.em. Nicholas Spencer näherbringen, wie Wein und Tribologie zusammenhängen.

Nicholas Spencer ist ein weltweit anerkannter Tribologe und zugleich Weinakademiker! Er war Professor für Oberflächentechnik an der ETH Zürich und ist heute emeritiert. Sein ursprünglicher Forschungsschwerpunkt lag auf Oberflächenmodifizierungen, einschliessllich die Herstellung molekularer Polymermonolagen mit bürstenartigen Strukturen. Inzwischen hat er seine Forschung auf die Weintribologie ausgeweitet und unterrichtet jetzt in der Zürich Wine Academy.
 
Im Zuge seiner Ausbildung an der Weinakademie in Rust am Neusiedlersee beschäftigte er sich intensiv mit dem Thema: „Wein und Schmierung im Mund – wie Weinbestandteile das Mundgefühl beeinflussen“.
In einem etwa einstündigen Vortrag erhalten Sie spannende Einblicke in die Welt des Weins, mit besonderem Fokus auf Faktoren, die die Tribologie im Mund beeinflüssen.
 
Im anschließenden Praxisteil haben Sie die Möglichkeit, eine relevante Reihe sorgfältig ausgewählter Weine zu verkosten. Die Weine werden vom Weingut AMSEE aus Gols bereitgestellt. Gols zählt zu den bedeutendsten Weinorten Österreichs und liegt östlich des Neusiedler Sees.

Prof.em.
Nicholas SPENCER

ÖTG-Symposium

50 Jahre ÖTG & Fachvorträge

18. November 2026 | 14:00-18:00 | ARCOTEL Kaiserwasser Wien

Rheologie in der Tribologie

Piet Lugt, SKF Research & Technology Development, NL

Seminarziele

  • Grundkonzepte der Rheologie von Flüssigkeiten
  • Einfluss rheologischer Eigenschaften auf tribologische Prozesse
  • Anwendungen in Praxis und Wissenschaft
  • Moderne Methoden zur Charakterisierung rheologischer Eigenschaften
 

(Das Seminar wird in Englisch abgehalten)

 

Seminarinhalte auf einen Blick

  • Viskosität
  • Einfluss von Scherung, Temperatur, Druck und Zeit auf die Viskosität
    • Newtonsches und nicht-newtonsches Verhalten
    • Piezoviskosität
    • Viskoelastizität
    • Thixotropie und Rheopexie
  • Beispiele aus der Praxis
    • Schmieröle und -fette in Maschinenelementen
    • Biologische Systeme, z.B. Gelenkschmiere
    • Lebensmittelindustrie, z.B. Schokolade
    • Kosmetik, z.B. Cremen
  • Messung rheologischer Eigenschaften – Rheometrie

Vortragende

Anton Paar GmbH, AT

Pondicherry ist Tribologe mit Doktortitel in Tribologie der Montanuniversität Leoben und einem Master in Nanomaterialien der Universität Ulm. 

Seit 2023 arbeitet er als Global Product Manager für Tribologie bei Anton Paar GmbH in Graz. Seine Spezialgebiete sind Motortribologie, Biotribologie, Polymere und Beschichtungen.

Kartik PONDICHERRY
Anton Paar GmbH

Vortragende

JKU Linz, Institut für Polymerwissenschaften, AT

Prof. Kracalik promovierte 2006 am Institut für Makromolekulare Chemie der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik. Nach einer Postdoc-Stelle an der Montanuniversität Leoben und einer Tätigkeit als Entwicklungsingenieur bei der ISOVOLTAIC AG kam er 2014 an das Institut für Polymerwissenschaften der Johannes Kepler Universität Linz, wo er die Forschungsgruppe „Rheologie” leitet. 

Seine Forschungsarbeiten umfassen die Verarbeitung und Anwendung dispersiver Polymersysteme (Blends, Composite und Nanocomposite) und deren Charakterisierung, Nanotechnologie in Kombination mit dem Werkstoffrecycling von Polymeren sowie die Rheologie biologischer Flüssigkeiten (Blut, Synovialflüssigkeit, Gehirnflüssigkeit). 

Milan KRACALIK
JKU Linz

University College London, Abteilung für Mathematik, UK

Prof. Wilson ist Professorin für Angewandte Mathematik am Department für Mathematik des University College London (UCL).

Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf komplexen Flüssigkeiten, insbesondere nicht-Newtonschem Verhalten wie viskoelastischen Flüssigkeiten und Partikelsuspensionen. Sie untersucht Phänomene wie Instabilitäten in elastischen Flüssigkeiten und die Wechselwirkungen von Partikeln in viskoelastischen Medien.

Ihre Arbeiten finden Anwendung in Bereichen wie Kunststoffverarbeitung, Zahnpflegeprodukten und forensischer Wissenschaft. Zu ihren Projekten zählen die Entwicklung scherverdickender Flüssigkeiten für die Kryokonservierung und die Untersuchung der Rheologie von Zahnpasten.

Sie ist zudem für ihre populärwissenschaftlichen Vorträge bekannt, darunter „Blood, Mud and Chocolate: Weird Fluids for Everyone“ und „Anyone for a mince pi?“.

Sie stand von 2018-2023 dem Department für Mathematik des University College London als erste Frau vor.

Helen J. WILSON
University College London

Festvortragende

Plenum

50 Jahre ÖTG – ein „obskurer Verein“ blickt (nicht nur) zurück

Bald nach „Prägung“ des Begriffes „Tribologie“ griff ein junger Wissenschafter (H. Detter) an der damaligen Technischen Hochschule Wien projektbezogen das Thema auf und gründete schließlich 1976 die ÖTG. Dieser wissenschaftliche Verein – Diktion eines Printmediums: „obskur“ – etablierte sich zielstrebig als einschlägige Fach-Organisation. ÖTG-Aktivitäten, insbesondere die jährlichen Symposien, wurden bald durch international ausgerichtete Konferenzen erweitert. Bisheriger Höhepunkt: 2nd World Tribology Congress 2001.

Die ÖTG war auch Projektträger für eine Reihe von wissenschaftlich-technischen Vorhaben sowie für Beratungstätigkeiten und schließlich Keimzelle für das Österreichische Kompetenzzentrum für Tribologie in Wiener Neustadt (ab 2002). Zukunftsorientiert, den Vereinszielen entsprechend, ist die ÖTG an zwei weiteren Tribologie-nahen Technologie-Institutionen beteiligt.

Friedrich FRANEK
ÖTG (AT)

Nachhaltigkeit wird am Österreichischen Kompetenzzentrum für Tribologie großgeschrieben

Nachhaltige Tribologie wird zu einem Schlüsselbereich für die nächste Generation energieeffizienter, vernetzter und kreislauforientierter Technologien.

Innovative Hochleistungsschmierstoffe, biobasierte Additive, intelligente Oberflächenbeschichtungen und adaptive Materialsysteme eröffnen neue Möglichkeiten, Reibung, Verschleiß und Energieverluste bereits in der Entwicklungsphase deutlich zu minimieren. Durch den Einsatz von KI, digitalen Zwillingen, Echtzeitsensorik und datengetriebenen Simulationsmodellen lassen sich tribologische Systeme künftig vorausschauend auslegen, überwachen und über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg kontinuierlich optimieren. Besonders an Bedeutung gewinnen ressourceneffiziente Werkstoffe, geschlossene Materialkreisläufe, ein minimaler Schmierstoffeinsatz und prädiktive Wartungskonzepte.

Damit wird nachhaltige Tribologie zu einem Schlüsselfaktor für emissionsarme Industrieprozesse, langlebige Maschinen, intelligente Mobilität und zukunftsfähige Technologien mit messbarem ökologischem und wirtschaftlichem Mehrwert.

Ewald BADISCH
AC2T research GmbH (AT)

Vergleichbar, rückverfolgbar, vertrauenswürdig – Tribologie bereit für die KI

Tribologische Studien beginnen noch immer zu oft bei Null: Ergebnisse sind nicht vergleichbar, Daten nicht rückverfolgbar und jedes Labor entwickelt eigene Lösungen. Mit i-TRIBOMAT entstand aus der ÖTG-Familie ein europaweites Netzwerk von Laboren, das auf harmonisierten Prüfprotokollen und einer gemeinsamen Datenstruktur basiert. So werden aus isolierten Versuchsergebnissen vergleichbare, rückverfolgbare und vertrauenswürdige Daten – die Grundlage für belastbare Modelle und KI in der Tribologie.

Der Vortrag zeigt den Weg von i-TRIBOMAT von den Anfängen bis heute und veranschaulicht anhand von Beispielen aus der Industrie, welchen Mehrwert dieser Ansatz für die Industrie schafft und wohin die Entwicklung führt: tribologische Modelle sowie Material- und Prüfdaten, die die Fragen der Industrie gezielt beantworten.

Xavier BORRAS
i-TRIBOMAT GmbH (AT)

Weltraumtribologie

Die Aerospace and Advanced Composites GmbH ist ein Spin-off des Austrian Institute of Technology und im Bereich Forschung und Entwicklung von Materialien und Technologien für Weltraum- und terrestrische Anwendungen tätig.

Die Bedingungen im Weltraum stellen spezielle Anforderungen an tribologische Kontakte – gleichzeitig bergen Lösungsansätze aus der Weltraumtribologie auch interessante Potenziale für terrestrische Anwendungen. Kaltverschweißen, Trockenschmierung und reibungsfreie Haltemechanismen sind Beispiele dafür, warum Lösungen für den Weltraum auch auf der Erde Zukunft haben.

Roland HOLZBAUER
Aerospace & Advanced Composites GmbH (AT)

Langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit österreichischer und serbischer Tribologen – Ergebnisse, Perspektiven und Herausforderungen

Ausgehend von den ersten Kontakten auf der World Tribology Conference (WTC) 1997 in London mit Professor Friedrich Franek und 2001 in Wien entwickelte sich die Zusammenarbeit mit österreichischen Kollegen zu einem der wichtigsten internationalen Kontakte für serbische Tribologen und zu einer wichtigen Motivation für Forschung und wissenschaftliche Arbeit. Aus dieser langjährigen Zusammenarbeit gingen zahlreiche gemeinsame Arbeiten zu Gleit- und Wälzlagern, Zahnrädern und weiteren tribologischen Phänomenen hervor, die auf vielen internationalen Konferenzen präsentiert wurden, darunter auch das jährliche ÖTG-Symposium als wichtige Plattform. Der Austausch junger Tribologen und Besuche von AC2T in Wiener Neustadt eröffneten eine neue Dimension der Zusammenarbeit und schaffen neue Perspektiven, Motivation und Herausforderungen für zukünftige gemeinsame Forschungsarbeiten.

Aleksandar MARINKOVIĆ
University of Belgrade (RS)

Von wissenschaftlicher Exzellenz zu industrieller Stärke

Europa und Österreich stehen für hohe Lebensqualität, exzellente Forschung und eine spezialisierte Hightech-Industrie. Gleichzeitig gefährdet geringes Wachstum langfristig unseren Wohlstand. Entscheidend ist daher, Forschung rascher in marktreife Anwendungen zu überführen und so die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu stärken. Vorrangige Maßnahmen für raschere Investitionen sind niedrigere Energie-, Lohnneben- und Verwaltungskosten sowie schnellere Genehmigungsverfahren.

Auf EU-Ebene soll der vorgeschlagene Europäische Fonds für Wettbewerbsfähigkeit gemeinsam mit Horizon Europe Innovationen in skalierbare Produkte und europäische Technologieführerschaft überführen. Auf nationaler Ebene fokussiert Österreich auf neun Schlüsseltechnologien sowie neue Instrumente für Leitbetriebe, Risikokapital, Life Sciences und Verteidigung.

Florian FRAUSCHER
Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (AT)

Herausforderungen der österreichischen Industrie – Beitrag der F&E

Österreich zählt heute zu den modernsten Industrienationen der Welt. Der produzierende Bereich der Industrie umfasst rund 80.000 Betriebe mit etwa 1 Million Beschäftigten. Österreich zählt mit Platz 8 im European Innovation Score 2026 zu den starken Innovatoren. Führend bei Innovationen in der EU sind Schweden, Dänemark und die Niederlande; europaweit bleibt die Schweiz der innovativste Standort. Im globalen Wettbewerb ist jedoch gutes Mittelmaß zu wenig – dasselbe gilt für Forschung und Entwicklung. 

Dieser Vortrag beleuchtet die Herausforderungen und den Bedarf im heimischen Forschungs-, Technologie- und Innovationssystem (FTI) bestehend aus Leitbetrieben, KMU, Startups, Hochschulen und Forschungseinrichtungen, um in Österreich F&E-Dynamik zu steigern und Technologieführerschaft zu entwickeln.

Michaela ROITHER
Industriellenvereinigung Niederösterreich (AT) 

Zuverlässigkeitsgestaltung in der Tribologie

Tribologie wird bei der Lebensdauerauslegung häufig erst in der Erprobungsphase berücksichtigt.

In diesem Vortrag wird vorgestellt, was Zuverlässigkeitsgestaltung in der Tribologie bedeutet, wie Entwicklungs-ansätze für eine frühzeitige Betrachtung von tribologischen Schäden in der Lebensdauerberechnung aussehen können und welche Implikationen für die industrielle Praxis sich daraus ergeben.

Jörg SCHÖFER
Robert Bosch GmbH (DE)

Zuverlässigkeitsgestaltung in Tribologie im Wandel – Herausforderungen und strategische Neuausrichtung der Tribologie

Auf Grundlage seiner langjährigen Beratungserfahrung versucht der Vortragende, die strategische Zukunft der Tribologie anhand der von ihm selbst entwickelten Methode der Fraktalanalyse zu analysieren. Die Ausführungen zur zukünftigen Neuausrichtung des Themenfelds „Tribologie“ umfassen u.a. zukünftige Kompetenzanforderungen, die Analyse nutzbarer kinematischer Systeme ohne tribologische Effekte, internationale Forschungsnetzwerke sowie globale Marktentwicklungen. Der Autor empfiehlt eine stärkere Vernetzung von TU Wien, ÖTG und AC2T research GmbH als wichtige österreichische Tribologie-Institutionen, um Grundlagenforschung, Wissenstransfer und Weiterbildung sowie industrielle Problemlösungskompetenzen zusammenzuführen.

Helmut DETTER
ÖTG (AT)

ÖTG-Symposium

Fachvortäge

19. November 2026 | 9:00-16:30 | ARCOTEL Kaiserwasser Wien

Eingeladene Vorträge

Kombination von generativer KI mit reaktiver und klassischer Molekulardynamik für die Entwicklung nachhaltiger Schmierstoffe

Der regulatorische Druck, toxische und persistente Schmierstoffkomponenten zu ersetzen, beschleunigt die Suche nach nachhaltigen Alternativen.

Im Rahmen des EU-Projekts „SiToLub“ kombinieren wir generative KI mit reaktiver und klassischer Molekulardynamik (MD), um Schmierstoffkandidaten bereits vor der Synthese zu prüfen. Die reaktive MD bewertet die Alterung von Additiven und Grundölen, während ein automatisierter klassischer MD-Workflow die Viskosität vorhersagt und so das Moleküldesign direkt mit der Schmierstoffleistung verknüpft.

Hendrik EHRICH / Stefan J. EDER
AC2T research GmbH / TU Wien (AT)

Gehört die Zukunft der Feststoffschmierung den MXenen? Von 2D-Materialien zu tribologischen Systemen der nächsten Generation

Der steigende Bedarf an effizienten, langlebigen und nachhaltigen mechanischen Systemen zeigt zunehmend die Grenzen herkömmlicher Schmierstoffe auf. Neue Anwendungsfelder wie die Elektromobilität, Luft- und Raumfahrt, Robotik und moderne Fertigungstechnologien erfordern innovative Schmierungskonzepte. Zweidimensionale Materialien, insbesondere MXene wie Ti₃C₂Tₓ, bieten aufgrund ihrer Schichtstruktur, gezielt einstellbaren Oberflächenchemie und vielseitigen Einsatzmöglichkeiten in Beschichtungen, Verbundwerkstoffen und Flüssigschmierstoffen vielversprechende Perspektiven.
Dieser Vortrag zeigt das Potenzial von MXenen zur Reduzierung von Reibung und Verschleiß auf. Im Mittelpunkt stehen nanoskalige Schmierungsmechanismen, die Bildung von Tribofilmen, hybride Schmierungskonzepte sowie der Einfluss der Oberflächenchemie und der Umgebungsbedingungen. Zentrale Herausforderungen sind dabei die Lebensdauer, Stabilität und Skalierbarkeit. Abschließend werden Perspektiven für die Entwicklung adaptiver, multifunktionaler und nachhaltiger tribologischer Systeme aufgezeigt.

Carsten GACHOT
TU Wien (AT)

Einfluss von Ammoniak als Kraftstoff auf das tribologische System von Gleitlagern

Ammoniak gilt als vielversprechender CO₂-freier Energieträger für zukünftige Verbrennungsmotoren. Gleichzeitig entstehen neue Herausforderungen für das tribologische System durch Kraftstoffeintrag, Verbrennungsprodukte sowie deren Wechselwirkungen mit Schmierstoffen und Lagerwerkstoffen. Dieser Vortrag stellt einen experimentellen Ansatz zur Untersuchung dieser komplexen Kraftstoff-Öl-Werkstoff-Interaktionen vor. Hierzu werden künstlich gealterte Motoröle, Materialverträglichkeitstests, tribologische Untersuchungen und motornahe Prüfstandsversuche kombiniert. Ziel ist es, potenzielle Auswirkungen von Ammoniak auf den Schmierstoffzustand, die tribologischen Eigenschaften und die Performance von Gleitlagersystemen systematisch zu bewerten und geeignete Prüfmethoden für derartige zukünftige Anwendungen zu entwickeln.

Sebastian KIRCHHAMER
Miba Gleitlager Austria GmbH (AT)

Tribologische Besonderheiten weicher Grenzflächen

Biotribologische Methoden haben in zahlreichen Anwendungsbereichen deutlich an Bedeutung gewonnen, wobei weiche, heterogene und zeitabhängige Kontakte besondere experimentelle Herausforderungen darstellen. Dieser Vortrag präsentiert Fallstudien zu Lebensmitteln und Getränken, okulären Systemen, Haut, Kosmetika und Gewebe, Knorpel, Implantaten sowie Körperpflegeprodukten. Die Untersuchungen erfolgten mit  einem rheometerbasierten Tribometer und anwendungsspezifischen Kontaktkonfigurationen.  

Stribeck-Kurven und Messungen des Übergangs von Haft- zu Gleitreibung zeigen den erheblichen Einfluss der Probenwahl auf das tribologische Verhalten und die Differenzierbarkeit verschiedener Proben. Für Lebensmittel und Getränke werden zudem Zusammenhänge zwischen Reibungsverhalten und sensorischen  Mundgefühls-eigenschaften mithilfe statistischer Analysen aufgezeigt. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung von Probenwahl, Versuchsaufbau und Dateninterpretation für aussagekräftige tribologische Korrelationen. 

Kartik PONDICHERRY
Anton Paar GmbH (AT)

Technische Fachvorträge

Schmieröle & -fette

KI-gestützte Bewertung des Gültigkeitsbereichs des Patir-Cheng-Flussfaktormodells

Empirische Modelle in der Tribologie werden häufig eingesetzt, ohne dass überprüft werden kann, ob die gemessenen Oberflächeneigenschaften tatsächlich innerhalb des vorgesehenen Gültigkeitsbereichs liegen. Am Beispiel des Patir-Cheng-Flussfaktormodells wird ein KI-gestützter Ansatz vorgestellt, der auf Basis gemessener Lagerdaten Oberflächen erkennt, die außerhalb dieses Bereichs liegen, und untersucht, wie sich solche Abweichungen auf die berechneten Flussfaktoren auswirken können. Dadurch wird die Anwendung des Modells nachvollziehbarer und die technische Bewertung sowie die Qualitätssicherung werden unterstützt.

Stephen BEWSHER
AVL List GmbH (AT)

Vom Nano- bis zum Makrobereich: Komplexe Phänomene in MXenen

Übergangsmetallcarbide und -nitride (MXene) haben aufgrund ihrer außergewöhnlichen physikalischen und chemischen Eigenschaften große Aufmerksamkeit im Bereich der Feststoffschmierung erlangt. Die Oberflächenfunktionalisierung spielt eine entscheidende Rolle für die Wechselwirkungen zwischen den einzelnen MXen-Schichten und beeinflusst damit maßgeblich ihr tribologisches Verhalten – von der Nano- bis zur Makroskala. In diesem Vortrag zeigen wir zunächst, wie sich die nanomechanischen Eigenschaften einzelner, ultradünner MXen-Schichten untersuchen lassen. Anschließend schlagen wir die Brücke zur Makroskala und betrachten komplexe Phänomene, die in hybriden MXen-Beschichtungen beobachtet werden.

Pierluigi BILOTTO
TU Wien (AT)

Holzbasierte C/C-SiC-Keramikbuchsen: Vom biobasierten Ausgangsmaterial zur tribologischen Leistungsfähigkeit

Kann eine Hochleistungs-Keramikbuchse aus Sägewerksabfällen entstehen?
Dieser Vortrag stellt holzbasierte C/C-SiC-Gleitlager vor, die durch Formgebung, Pyrolyse und Flüssigsiliziuminfiltration hergestellt werden. Dargestellt wird, wie die resultierende Mikrostruktur und der Restkohlenstoff Reibung, Verschleiß und Temperaturbeständigkeit beeinflussen. Darüber hinaus wird das Potenzial dieses Werkstoffkonzepts aufgezeigt, hohe tribologische Leistungsfähigkeit mit einer ressourceneffizienteren Keramikherstellung zu verbinden.

Christoph BLEICHER
SKF Group (AT)

Tribologisches Verhalten faserverstärkter Duroplast-Verbund-werkstoffe in wassergeschmierten Verbundwerkstoffkontakten

Polymerverbundwerkstoffe kommen zunehmend in wassergeschmierten Anwendungen zum Einsatz, beispielsweise in Pumpen und Hydrauliksystemen, wobei beide Kontaktpartner aus Polymerverbundwerkstoffen bestehen können. Das tribologische Verhalten solcher Werkstoffpaarungen ist bislang nur unzureichend untersucht, insbesondere bei duroplastischen Verbundwerkstoffen. In dieser Studie wurden wassergeschmierte Kontakte zwischen Phenolharz-Verbundwerkstoffen mit Glas- bzw. Kohlenstofffaserverstärkung untersucht. Das Reibungs- und Verschleißverhalten wurde unter verschiedenen Betriebsbedingungen bestimmt, wobei der Einfluss der Faserverstärkung und deren Verhalten während des Gleitvorgangs im Mittelpunkt standen. Die Ergebnisse ermöglichen ein besseres Verständnis der Mechanismen, die das Reibungs- und Verschleißverhalten bestimmen.

Lucija ČOGA
University of Ljubljana (SI)

Brückenschlag zwischen Laborforschung und industrieller Anwendung in der Polymertribologie

Polymerverbundwerkstoffe werden aufgrund ihrer geringen Dichte, guten Korrosionsbeständigkeit, Selbstschmiereigenschaften und Verschleißfestigkeit häufig in tribologischen Anwendungen eingesetzt. Die Übertragung von Erkenntnissen aus Laborversuchen auf den industriellen Maßstab bleibt jedoch aufgrund von Lücken im grundlegenden Verständnis und in der konstruktiven Auslegung eine Herausforderung. Dieser Vortrag befasst sich mit diesem Übergang hin zu einem semi-industriellen Prototyp. Zwei selbst entwickelte Verbundwerkstoffe wurden in Stift-Platte-Versuchen mit reziprokierender Bewegung bei 20 MPa unter trockenen Bedingungen sowie mit Wasser und umweltverträglichem Schmierstoff (EAL) mit kommerziellen Werkstoffen verglichen, wobei die Bedingungen von Leitschaufellagerungen einer Turbine nachgebildet wurden. Die entwickelten Verbundwerkstoffe reduzierten die Reibung um bis zu 74 %, während die EAL-Schmierung Reibung und Verschleiß um bis zu 98 % verringerte und damit eine deutliche Verlängerung der Lagerlebensdauer erwarten lässt.

Nazanin EMAMI
Luleå University of Technology  (SE)
University of Ljubljana (SI)

Newton, Pascal und die Suche nach dem Fließverhalten: Ein tiefer Einblick in die Viskosimetrie

Dieser Vortrag soll eine Reise in die Welt der Viskosimetrie sein. Trotz der Abgrenzung zur deutlich komplexeren Rheologie dürfen die speziellen Herausforderungen dieser Disziplin nicht außer Acht gelassen werden. Am Beispiel eines neu entwickelten Messprinzips und den Schritten des Entwicklungsprozesses wird den Zuhörern ein tieferes Verständnis der Viskosimetrie vermittelt. Konkrete Problemstellungen und ihre Lösungen werden mit Beispieldaten untermauert, und Versuche einer physikalischen Erklärung werden unternommen. Freuen Sie sich auf eine hoch-viskose Reise ins Land von Newton und Pascal.

Thomas FEISCHL
eralytics GmbH (AT)

Von Inline-Ölsensordaten zur Instandhaltungsmaßnahme: Sensorik, Zustandsüberwachung und Filtration

Vorausschauende Instandhaltung (Predictive Maintenance) mithilfe von Inline-Ölsensoren erfordert ein fundiertes Verständnis der Leistungsfähigkeit und Grenzen der Sensoren sowie der Einflussgrößen im Schmiersystem. Dieser Vortrag präsentiert Erfahrungen aus mehr als 200 Inline-Sensorsystemen mit Schwerpunkt auf Ölzustandsüberwachung, maschinellem Lernen und modernen Modellierungsverfahren. Wesentliche Aspekte der Filtration zur Kontrolle abrasiver Partikel, der Öloxidation und des Additivabbaus werden diskutiert. Es wird aufgezeigt, wie sich Erkenntnisse aus Sensordaten in wirksame Instandhaltungsmaßnahmen überführen lassen.

Morten HENNEBERG
C. C. Jensen A/S (DK)

Die Batterie als tribologisches System – neue tribologische Herausforderungen der Elektromobilität

Fahrzeugbatterien weisen nicht nur elektrochemische, sondern auch tribologische Herausforderungen auf: Je nach Batterietechnologie bestimmt eine Vielzahl von mechanisch und elektrisch aktiven Grenzflächen die Leistungsfähigkeit, Sicherheit und Lebensdauer. Der Vortrag beleuchtet ein breites Spektrum an tribologischen Kontakten im Zellverbund, aber auch innerhalb von Einzelzellen, wie etwa Partikelkontakte, lokale Volumensänderungen, Rissbildung und Zell-Swelling. Für Festkörperbatterien werden spezifische Kontaktflächenbeanspruchungen durch Kontaktdruck, plastische Deformationen und Adhäsion dargestellt. Es wird abschließend aufgezeigt, wie die Tribologie mit Kontaktmechanik, in-situ-Methoden und Modellierung zur Entwicklung robuster Batteriesysteme beitragen kann.

Hannes HICK
TU Graz (AT)

Optimierte Hybridlager für industrielle Elektromotoranwendungen

Keramische Hybridlager werden häufig in industriellen Elektromotoren eingesetzt, da sie elektrische Erosion verhindern und auch unter anspruchsvollen Schmierungsbedingungen eine hohe Leistungsfähigkeit bieten. Einer breiteren Anwendung stehen jedoch häufig die hohen Kosten entgegen.
SKF entwickelte mit CeraDrive ein kostenoptimiertes Hybridlagerkonzept, das kleinere keramische Wälzkörper verwendet und gleichzeitig die zentralen Vorteile der Hybridtechnologie beibehält. Dabei gilt es, Kostenreduzierung und Lagerleistungsfähigkeit sorgfältig aufeinander abzustimmen, insbesondere im Hinblick auf Kontaktpressung, Ermüdungslebensdauer, Schmierverhalten und Reibung.
Durch die Optimierung der Geometrie, eine geeignete Werkstoffauswahl und die Validierung mit Leistungstests lässt sich bei Hybridlagern ein optimales Verhältnis zwischen Kosten und Leistungsfähigkeit erreichen.

Thomas KÖNIGSHOFER
SKF Österreich AG (AT)

Skalenübergreifende Erforschung grüner Schmierung: Verbindung von ML-gestützter Molekulardynamik mit Experimenten

Das Verständnis der Tribofilmbildung ist aufgrund der komplexen tribochemischen Prozesse und der Grenzen konventioneller atomistischer Simulationen noch immer eine große Herausforderung. In dieser Arbeit wurde die Tribofilmbildung in wasserbasierten Schmierstoffen mit Catechin, Cumarin oder Hexahydroxydiphensäure (HHDP) mithilfe tribologischer Experimente, Oberflächencharakterisierung, Dichtefunktionaltheorie (DFT) und Machine-Learning-basierten interatomaren Potenzialen (MLIPs) untersucht. HHDP zeigte die größte Reibungsreduktion bei gleichzeitig gutem Verschleißschutz durch die Bildung dicker, eisenreicher Tribofilme.
Simulationen mittels reaktiver Molekulardynamik auf Basis DFT-trainierter MLIPs zeigten, dass HHDP die Dissoziation von Wasserstoff, starke O-Fe-Wechselwirkungen und die Freisetzung von Eisen begünstigt. Die dabei entstehenden eisenhaltigen Komplexe verbinden HHDP-Moleküle zu ausgedehnten supramolekularen Netzwerken, aus denen sich schrittweise Tribofilme bilden.
MALDI-MS- und ToF-SIMS-Analysen stützen diesen Mechanismus der Tribofilmbildung und verdeutlichen das Potenzial von MLIPs für die gezielte Entwicklung nachhaltiger Schmierstoffadditive.

Sophie  LOEHLE
TotalEnergies (FR)

Tribologische und rheologische Charakterisierung von Schmierstoffen und Modellfluiden zur in-vitro-Bewertung der Implantatstabilität

Die mechanische Stabilität biomedizinischer Implantate ist entscheidend für ihre langfristige Funktionsfähigkeit. Dies erfordert daher zuverlässige in-vitro-Testmethoden. In dieser Studie werden motorölbasierte Modellsysteme als kontrollierte und reproduzierbare Medien zur Bewertung der Implantatstabilität analysiert und mit Schmierfetten sowie wässrigen, biologienahen Fluiden verglichen. Die tribologischen und rheologischen Eigenschaften werden anhand von Viskosität, Fließverhalten, Reibung und Schmierverhalten charakterisiert. Motoröle zeichnen sich durch Reproduzierbarkeit, gezielte Einstellbarkeit, stabile Zusammensetzung und Kosteneffizienz aus, während Schmierfette und wässrige Fluide bestimmte physiologische Wechselwirkungen besser abbilden.

Die Ergebnisse bilden eine Grundlage für die gezielte Auswahl geeigneter Modellschmierstoffe und die Entwicklung standardisierter, aussagekräftiger in-vitro-Tests zur Implantatstabilität.

Sándor  MANÓ
University of Debrecen (HU)

Bio reicht nicht – Was nachhaltige Schmierstoffe wirklich ausmacht

Biobasiert, biologisch abbaubar oder ungiftig – doch wann ist ein Schmierstoff wirklich nachhaltig? Die Antwort ist komplex, denn zwischen Performance, Kosten, Rohstoffverfügbarkeit, Recycling und Umweltverträglichkeit entstehen Zielkonflikte, die sich nicht mit einzelnen Kennzahlen oder vereinfachten Bewertungsmodellen lösen lassen. Der Vortrag zeigt aus industrieller Perspektive, warum es keine „eierlegende Wollmilchsau“ unter den Schmierstoffen gibt und weshalb ein ganzheitliches Verständnis von Rohstoffen, Formulierungen und Wirkmechanismen entscheidend ist. Nachhaltige Schmierstoffe erfordern eine Betrachtung über die Rohstoffwahl hinaus – von der Bewertung über die Entwicklung bis zum Einsatz. Moderne Analytik und realitätsnahe Charakterisierung schaffen die Grundlage für nachhaltige Produktentwicklung.

Jessica PICHLER
AC2T research GmbH (AT)

Einfluss von Phänomenen an Festkörper-Flüssigkeits-Grenzflächen auf die EHD-Schmierung

Wechselwirkungen und Phänomene an Festkörper-Flüssigkeits-Grenzflächen, wie Benetzung, Oberflächenenergie und Wandgleiten, können gezielt genutzt werden, um die Schmierung in EHD-Kontakten zu beeinflussen. In diesem Vortrag werden anhand experimenteller Untersuchungen verschiedene Ansätze vorgestellt, bei denen die Oberflächeneigenschaften durch Beschichtungen und die Adsorption von Additiven gezielt verändert wurden. Ergänzend zeigen Modellierungen eines EHD-Linienkontakts gezeigt, wie sich Wandgleiten auf Schmierfilmdicke und Reibung auswirkt.

Marko POLAJNAR
University of Ljubljana (SI)

Modellversuche und Screening des Verschleißverhaltens von Komponenten beim Warmdrahtwalzen unter realitätsnahen Randbedingungen

Beim Warmdrahtwalzen werden Drähte sowie Ausgangsmaterialien für Schrauben, Ketten, Federn und Wälzkörper für Lager unter extremen tribologischen Bedingungen hergestellt. Diese Studie untersucht den Verschleiß von Führungen auf einem Modellteststand, der Drahtgeschwindigkeiten von bis zu 50 m/s und Temperaturen von bis zu 1000 °C simuliert. Untersucht wurden verschiedene Führungs- und Drahtwerkstoffe, Belastungen, Geschwindigkeiten und Temperaturen. Ergänzend erfolgten Schadensanalysen an verschlissenen Komponenten aus dem Modellteststand und dem Walzwerk. Die Ergebnisse zeigen, dass der vorherrschende Verschleißmechanismus – eine tribooxidativ bedingte Oberflächendelamination – auf dem Modellteststand sehr gut nachgebildet werden konnte. Darüber hinaus erwies sich das Archardsche Verschleißgesetz über einen breiten Bereich der Testbedingungen als gültig und bildet damit eine Grundlage für eine zukünftige Verschleißmodellierung.

Michael PUSTERHOFER
Montanuniversität Leoben  (AT)

Maschinelles Lernen und Molekulardynamik: Simulation von Schmierstoffen und atomarem Verschleiß

Auf maschinellem Lernen basierende Potenziale (Machine-Learning Potentials, MLPs) erlauben die Simulation tribochemischer Prozesse in nanoskaligen Kontakten über mehrere zehn Nanosekunden. Dafür haben wir die Software SCS entwickelt, mit der sich MLPs für tribologische Systeme trainieren lassen. Mithilfe ML-gestützter Molekulardynamik (Machine Learning Molecular Dynamics, ML-MD) konnten wir Schmierstoffadditive sogar in ihren Lösungen in Schmierstoffen realitätsnah untersuchen und den Beginn der Grenzschmierung simulieren. Zudem identifizierten wir Additive aus Pflanzen, die wasserbasierte Schmierstoffe auch unter hoher Belastung wirksam machen, und verfolgten die Tribofilmbildung aus ZDDP-Molekülen während der Simulation. Durch die Kombination quantenmechanischer Berechnungen mit ML-MD klärten wir außerdem, wie chemische Verbindungen die Oberfläche passivieren und den Verschleiß von mikrokristallinem Diamant reduzieren können.

M. Clelia RIGHI
University of Bologna (IT)

Ökobilanz-basierte Entwicklung von Tribowerkstoffen

Tribowerkstoffe basieren häufig auf kritischen Rohstoffen und weisen eine hohe Umweltbelastung auf. Zur Entwicklung nachhaltiger Alternativen wurden alle vier Nachhaltigkeitsstrategien konsequent umgesetzt und mithilfe von Ökobilanzen über den gesamten Lebenszyklus optimiert. Eisenaluminid-Laserauftragsschichten erwiesen sich dabei als besonders vielversprechend.

Durch den Einsatz nachhaltiger, unkritischer und recycelter Rohstoffe konnten Beschichtungen entwickelt werden, die konventionelle Tribowerkstoffe hinsichtlich der Verschleißbeständigkeit übertreffen. Zudem wurde bei ausgewählten Werkstoffen eine graphitbasierte Selbstschmierung realisiert, wodurch sich Umweltbilanz und tribologische Performance verbesserten.

Harald    Rojacz

Harald ROJACZ
AC2T research GmbH (AT)

Werkstoffe & Oberflächen

Von der reaktiven zur prädiktiven Tribologie: Auf dem Weg zur Tribologie 3.0

Die Tribologie stützt sich traditionell stark auf Experimente, um Schadensfälle nachzubilden, Schmierstoffe und Werkstoffe zu vergleichen und Pass/Fail-Ergebnisse zu bestimmen. Solche Prüfungen bleiben unerlässlich, liefern jedoch nur begrenzte Unterstützung für zunehmend komplexe Entwicklungsentscheidungen.
Fortschritte bei Prüfständen, Messtechnik, Steuerung und Datenanalyse ermöglichen es heute, tribologisches Verhalten über relevante Betriebsbedingungen hinweg abzubilden und strukturierte, reproduzierbare und anwendungsrelevante Daten zu erzeugen.
Dieser Vortrag beleuchtet den Übergang von der Tribologie 1.0 – der reaktiven Prüfung zur Tribologie 2.0 – der prädiktiven Tribologie und weiter zur Tribologie 3.0 – der KI-gestützten Tribologie. Anhand von Beispielen aus modernen tribologischen Screening-Verfahren wird veranschaulicht, wie optimierte Versuchsdesigns und zuverlässige Daten sowohl aktuelle Entwicklungsprozesse als auch zukünftige KI-gestützte Werkzeuge unterstützen können.
Die zentrale Botschaft ist einfach: Tribologie 3.0 lässt sich nicht allein auf Daten der Tribologie 1.0 zuverlässig aufbauen.

Ksenija TOPOLOVEC MIKLOZIC
POWERTRIB EUROPE I.K.E. (GR)

Komponenten & Systeme

Drehmomentbasierte Überwachung von Abrasivverschleiß in Welle-Dichtung-Systemen unter Einwirkung von Mondregolith-Simulaten

Tribologische in-situ-Signale wurden als Indikatoren für abrasiven Verschleiß untersucht, der durch das Eindringen von Mondregolithpartikeln in rotierende Welle-Dichtung-Paarungen verursacht wird. Paarungen aus Edelstahlwellen und federbelasteten Radialwellendichtungen aus PTFE wurden Mondhochland- und Mare-Simulate für geplante Versuchsdauern von 15, 30 und 1440 min ausgesetzt. Das Reibmoment wurde kontinuierlich aufgezeichnet. Die Oberflächenrauheit der Wellen nach den Versuchen diente zur Charakterisierung des Verschleißausmaßes. Die Verschleißmechanismen an den PTFE-Gegenflächen wurden mittels Rasterelektronenmikroskopie identifiziert. Reibmomentkennwerte – Fläche unter der Kurve, mittleres und maximales Reibmoment – lieferten prozessbegleitende Informationen über den abrasiven Verschleiß. Das maximale Reibmoment zeigte die stärkste Korrelation mit der Oberflächenrauheit der Wellen nach den Versuchen.

Bahram TURAPOV
Hungarian University of Agriculture and Life Sciences (HU)

AICE LAB: Entwicklung einer kleinmaßstäblichen Testmethodik für Tribologie in kalten Umgebungen

AICE‑LAB (AI-supported Cold Environment Tribology Laboratory) verfolgt das Ziel, Reibungs- und Verschleißvorgänge von Polymer- und Metallwerkstoffen unter kontrollierten Schnee- und Eisbedingungen reproduzierbar im Labor zu untersuchen. Hierzu wird ein modulares Tribometer mit isolierter, kontinuierlich mit trockener Kaltluft beaufschlagter Testkammer eingesetzt. Neben dem Reibungskoeffizienten werden Temperatur und Luftfeuchtigkeit kontrolliert sowie Temperaturänderungen der Schnee- und Eisoberfläche mittels hochauflösender Thermografie erfasst. Erste Untersuchungen zeigen einen deutlichen Einfluss der Oberflächenrauheit, des Materials sowie der Eis- und Umgebungsbedingungen auf das Reibungsverhalten.

Der Beitrag stellt den entwickelten Versuchsaufbau und die ersten experimentellen Ergebnisse vor.

Igor    Velkavrh

Igor VELKAVRH
V‑Research GmbH (AT)

Sensorbasierte Schmierungsüberwachung bei genormten Wälzlagerprüfungen

Trotz der Komplexität und der hohen Kosten von Wälzlagerprüfungen ist die Anzahl der erfassten Messgrößen häufig begrenzt. Diese Studie untersucht die Integration einer hochfrequenten Impedanzmessung in eine genormte FE8-Prüfung, um die diagnostischen Möglichkeiten konventioneller Methoden zur Schmierstoffbewertung zu erweitern. Die in Echtzeit erfassten Impedanzdaten ermöglichten die Identifikation von Übergängen zwischen verschiedenen Schmierungszuständen. Darüber hinaus konnten die Bildung und der Abbau von Triboschichten, das Einlaufen von Rauheitsspitzen sowie der Beginn von Grübchenbildung (Pitting) erkannt werden.

Christoph WINCIERZ
HCP Sense GmbH (DE)

Poster

Einfluss der Tieftemperaturbehandlung auf die Oberflächenrauheit von Wälzlagerringen aus 100Cr6

Diese Studie untersucht den Einfluss der Tieftemperaturbehandlung (Deep Cryogenic Treatment, DCT) auf die Oberflächenrauheit von Wälzlagerringen aus 100Cr6. Die Ergebnisse zeigen ein unterschiedliches Verhalten: Während die Oberflächenrauheit der Außenringe abnimmt, weisen die Innenringe eine erhöhte Rauheit auf. Diese Unterschiede sind auf Phasenumwandlungen und Spannungsumlagerungen im Zusammenspiel mit der Bauteilgeometrie zurückzuführen. Die Ergebnisse bestätigen, dass die Oberflächenrauheit innerhalb der in den einschlägigen Industrienormen festgelegten Grenzwerte bleibt. Durch die Ausscheidung feiner Karbide und den Abbau von Spannungen trägt die DCT zur Stabilisierung der Oberflächentopografie und damit zur Verbesserung der Lagerqualität bei.

Danilo PEJČIĆ
University of Belgrade (RS)

Einfluss der Druckorientierung auf die anfängliche Oberflächenrauheit von Gleitlagern aus PA12, hergestellt mittels selektivem Lasersintern

Diese Studie untersucht den Einfluss der Druckorientierung auf die Oberflächenrauheit von Polyamid-Gleitlagern, die mittels selektivem Lasersintern hergestellt wurden. Die Gleitlager wurden in X- und Z-Orientierung gefertigt, wobei die Druckorientierung parallel bzw. senkrecht zur Gleitrichtung ausgerichtet war. Ra und Rz wurden an drei um jeweils 120° versetzten Positionen mithilfe eines taktilen Profilometers gemessen. Bei der X-Orientierung lagen die Ra-Werte um 6,3 % und die Rz-Werte um 4,2 % höher als bei der Z-Orientierung. Bei der Interpretation der Ergebnisse sollte die Messrichtung des Tasters relativ zur Druckorientierung berücksichtigt werden.

Ivan SIMONOVIC
University of Belgrade (RS)

Ti-6Al-4V/HAp/MXene-Oberflächenarchitekturen für reibungsarme, osseointegrative Biomaterialien

Der zunehmende Einsatz von Implantaten erfordert die Entwicklung multifunktionaler Oberflächen, die Verschleißbeständigkeit, Schmierwirkung und Osseointegration miteinander verbinden. Poröse Ti-6Al-4V/HAp-Biokomposite (15–25 % offene Porosität), die mit Ti₃C₂Tₓ-MXen beschichtet sind, zeigen bislang für diese Materialkombination nicht beschriebene Zusammenhänge zwischen Herstellungsprozess, Struktur und tribologischem Verhalten. Kugel-auf-Platte-Versuche mit oszillierender Bewegung gegen 100Cr6 und ZrO₂ zeigen eine Verringerung der Reibung um etwa 75 % durch die Bildung kompakter Tribofilme, die über das Porensystem versorgt werden. Untersuchungen mit hFOB-1.19-Zellen und Messungen der Aktivität der alkalischen Phosphatase (ALP-Aktivitätsassays) bestätigen ein osteokonduktives und nicht zytotoxisches Verhalten.

Agnieszka TOMALA
Politechnika Krakowska (PO)

Organisationskomitee

Priv.-Doz.    Dipl.-Ing.    Dr.techn.    Nicole    Dörr​

Priv.-Doz. Dipl.-Ing Dr.

Nicole Dörr

ÖTG-Preäsidentin

Univ.-Prof. Dr.-Ing.

Carsten Gachot

ÖTG-Vize-Präsident

Ernst-Dieter Janotka

ÖTG-Generalsekretär

Priv.-Doz.    DI    Dr.    Bernhard    SCHEICHL,    Hon.    Assoc.    Prof.

Priv.-Doz. Dipl.-Ing. Dr.

Bernhard Scheichl, Hon. Assoc. Prof.

TU Wien

Institut für Strömungsmechanik und Wärmeübertragung

Dr.

Timea Erzsebet Varadi, MSc.

Klinik Floridsdorf

Stabsstelle für Medizinphysik

Veranstaltungsort, Anreise & Unterkunft

ARCOTEL Kaiserwasser Wien

Wagramer Straße  8, 1220 Wien, Österreich

Informationen bezüglich Veranstaltungsort, Anreise und Unterkunft finden Sie hier.

Hier klicken, um den Inhalt von Google Maps anzuzeigen.
Learn more in Google Maps’s privacy policy (opens in a new tab).

Ausschreibung für Fachvorträge

Bitte übermitteln Sie uns Name, Organisation, Titel und eine Kurzfassung von max. 100 Wörtern zu Ihrem Vortrag über dieses Formular.  

Sobald Ihr Vortrag angenommen wurde, bitten wir um Zusendung eines Porträtfotos in hoher Auflösung und Registrierung auf unserer Webseite.

Ausschreibung für Poster

Bitte übermitteln Sie uns Name, Organisation, Titel und eine Kurzfassung von max. 100 Wörtern zu Ihrem Poster über dieses Formular.

Sobald Ihr Poster angenommen wurde, bitten wir um Zusendung eines Porträtfotos in hoher Auflösung und Registrierung. 

Ihr Poster wird im Veranstaltungsbereich präsentiert.

Ausstellungsstand

Gleichzeitig zum Symposium findet im Veranstaltungsbereich eine Fachausstellung statt. 

Bitte senden Sie uns Name, Organisation und Informationen zu Ihrem Stand (z.B. Strom, Bildschirm, Tisch) an office@oetg.at.  

Registrierung

Im Teilnahmeentgelt sind die Tagungsunterlagen (download, Präsentationen vom 18.11. und/oder 19.11.), die Verpflegung in den Pausen und das Mittagessen enthalten. Preise exkl. MWSt. 

Kontakt

Nicole Dörr
Präsidentin

Ernst-Dieter Janotka
Generalsekretär

Falls Sie Fragen zum ÖTG-Symposium 2026 haben, können Sie sich gerne an uns wenden.

Sponsoren